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Archiv der sozialen Demokratie

 

Intersektionalität und ihre Bedeutung

In einem virtuellen Seminar diskutierten Emilia Zenzile Roig, Assanda Benya und Radhika Khajuria wie Identitäten, Macht und Privilegien zusammenwirken und Allianzen für eine geschlechtergerechte gesellschaftspolitische Entwicklung aufgebaut werden können.

Die Begriffe „Intersektionalität” und „intersektionaler Feminismus”, erstmals eingeführt von der US-amerikanischen Juraprofessorin Kimberlé Crenshaw, gingen alsbald in den allgemeinen Diskurs über soziale Gerechtigkeit über. Im Wesentlichen geht die intersektionale Analyse sozialer Realitäten davon aus, dass Benachteiligungen auf mehreren Ebenen (Geschlecht, Sexualität, Ethnie, Alter, Schicht usw.) ineinandergreifen und unseren gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Status sowie unsere politischen Handlungsfelder prägen.

Zu einer intersektionalen Betrachtung gehört auch, den historischen Kontext eines Problems in den Blick zu nehmen, der wiederum von Region zu Region und von Land zu Land unterschiedlich gelagert ist. Langanhaltende Gewalterfahrungen und systematische Diskriminierung bringen tiefgreifende Ungleichheiten hervor, wodurch manche Menschen von vorneherein Benachteiligungen erleben, deren Auswirkungen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Auch wenn es auf den ersten Blick mitunter erscheint, als hätten sozioökonomische Ungleichheiten einerseits und (geschlechtsspezifische) Identitäten bzw. sexuelle Orientierungen andererseits nichts miteinander zu tun, so zeigt der intersektionale Feminismus die Zusammenhänge zwischen sämtlichen Bestrebungen nach Gerechtigkeit und Befreiung auf.

Vor dem Hintergrund eines erstarkenden nationalistischen Populismus und einer Rückwärtsgewandtheit hin zu konservativeren Werten und Rollenbildern geraten progressive Bewegungen weltweit zunehmend unter Druck. Die politische Linke ringt darum, überzeugende Alternativen zu entwerfen, die einen sozialen und geschlechtergerechten politischen und wirtschaftlichen Wandel sowie divers aufgestellte und tragfähige Bündnisse für Veränderung zum Ziel haben.

In einem virtuellen Seminar diskutierten Emilia Zenzile Roig, Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice aus Deutschland, Asanda Benya, leitende Dozentin an der Fakultät für Soziologie der Universität Kapstadt, Südafrika, und Radhika Khajuria, Senior Policy Advisor aus Indien von der Campaign for Tobacco-Free Kids zum Thema Intersektionalität als Schlüssel zum Verständnis für das Zusammenspiel zwischen Identitäten, Macht und Privilegien sowie zur Bedeutung solider Bündnisse für eine geschlechtergerechte soziopolitische Entwicklung.

Wir freuen uns, Ihnen die interessantesten Auszüge aus dieser Diskussion in einem Video präsentieren zu dürfen.


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